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Yoga in Zeiten des Wandels. Oder: Einatmen – Ausatmen

Der Herbst ist geprägt von der Energie des Vata Dosha und seinen Elementen Luft und Raum. Vata steht für die Energie, die die Dinge bewegt und so ist der Herbst eine Zeit der Wandlung. Der Sommer, der uns eben noch so endlos vorkam, verabschiedet sich. Vielleicht spürst du eine leichte Melancholie und möchtest noch gar nicht ganz loslassen. Die Temperatur sinkt, die Luft wird klar. Die Farben und Gerüche verändern sich. Und nicht nur die Natur durchläuft diesen Wandel von außen nach innen, auch wir haben jetzt das Bedürfnis nach Ruhe, Achtsamkeit und Einkehr. Der bewusste Rückzug hilft uns, die Energie nach innen auszurichten und das Jahr zu reflektieren. Wir können in Frieden Abschied nehmen, von dem, was vergänglich ist, von dem, was nicht mehr zu uns passt, damit auch wir uns verändern und erneuern können.

Das verrückte am Leben ist, dass Wandel eben nicht nur im Herbst stattfindet, sondern irgendwie immer. Und vor allem ohne Vorwarnung. Voll anstrengend. Aber auch voller Potenzial für Entwicklung. Im vergangenen Jahr habe ich erfahren, wie weit das Pendel ausschlagen kann, zwischen Hoch und Tief, Licht und Dunkelheit, zwischen Möglichkeiten und Unmöglichkeiten. Ich habe verstanden, dass nichts von dem, was mir bis dahin als verlässliches Fundament erschien, selbstverständlich ist, da alles dem Wandel unterliegt. Diese Erkenntnis hat in mir den Wunsch geweckt, meine Zeit noch mehr mit dem zu füllen, was mit meinen inneren Überzeugungen korrespondiert. Nur ist es gar nicht so leicht, herauszufinden, was das denn eigentlich ist. Und selbst, wenn man glaubt, es herausgefunden zu haben, kostet die Entscheidung für aktive Veränderung häufig viel Kraft.

Das Leben als Momentaufnahme

Mein Fazit: Alles ist immer eine Momentaufnahme. Und wenn wir das für uns verstehen und annehmen, ist Wandel an sich gar nicht mehr so beängstigend und die Entscheidungen, die wir in diesem Moment treffen, gar nicht mehr so endgültig und lebensumwälzend. Dann kann man einfach mal einen neuen Weg einschlagen, sich neugierig umschauen, Erfahrungen sammeln, Eindrücke gewinnen und im Zweifel wieder umdrehen und eine neue Abzweigung wählen.

Statt uns dem Flow des Lebens hinzugeben, verlieren wir uns so oft in der Vergangenheit, durchforsten Erinnerungen und versuchen aus diesen abzuleiten, welche Bedingen wir an eine bessere Zukunft knüpfen. Und – zack – sind wir gedanklich auch schon in der Zukunft und rechnen durch, was eine Entscheidung, eine Veränderung dort für Konsequenzen zeigen könnte. Und so sitzen wir da, grübeln und merken oft gar nicht, wie das Leben und der Wandel trotzdem weiter passieren, denn sie interessieren sich herzlich wenig für unser Timing. An und für sich ist das auch kein Drama. Es ist nur einfach verdammt schade, um den Moment, um die Gegenwart, um diesen Wimpernschlag, in dem das Leben mit all seiner Fülle stattfindet, während wir grübeln und zweifeln.

Das Leben im Jetzt leben

Yoga, die achtsame Kommunikation mit uns selbst, unserem Körper, unserem Geist und unserer Umwelt, kann eine Möglichkeit sein, sich immer wieder an den gegenwärtigen Moment zu erinnern, sich auf ihn einzulassen und in ihm so etwas wie Frieden und Ruhe zu finden. Anstrengend fühlt sich das Leben meist dann an, wenn wir auf den endlosen Wegen der Vergangenheit umherirren oder die hypothetischen Gebirge der Zukunft erklimmen. Yoga erinnert uns an das, was sowieso unvermeidlich ist. Yoga erinnert uns daran, das Leben im Jetzt zu leben. Und der Weg ins Jetzt ist mühelos, ist leicht, denn wir sind ja sowieso schon da. Alles, was es braucht, ist die Erinnerung daran, wenn unsere Gedanken ihre oft schmerzliche oder sorgenvolle Realität in Vergangenheit oder Zukunft errichten.

Richard Wagner sagte:

„Wandel und Wechsel liebt, wer lebt.“

Also, lasst uns leben, dann kümmert der Wandel sich in der Zwischenzeit um sich selbst.

In Zeiten des Wandels kann Yoga uns dabei unterstützen, ruhig und gleichzeitig wach zu werden, den Blick für das Wesentliche zu klären und auf unsere Mitte auszurichten, die unberührt bleibt von den Stürmen im Außen. Yoga führt uns auf diese Weise zurück ins Vertrauen, hilft uns, Stabilität in der Dynamik dieser verrückten Welt zu finden. So können wir wieder weit werden, wo vorher angstvolle Enge war, und im Bewusstsein dieser Weite und Grenzenlosigkeit all das mit offenen Armen empfangen, was das Leben für uns bereithält.

Finde deinen Frieden

Glaubst du nicht? Dann roll deine Matte aus. Jetzt. Setz dich aufrecht hin. Nimm ein paar tiefe Atemzüge. Durch die Nase ein – Luft kurz anhalten – und dann durch den Mund wieder ausatmen. Wiederhole das drei Mal und lass dann deinen Atem frei fließen.

Richte all deine Aufmerksamkeit auf das, was im Moment stattfindet. Nimm deinen Atem wahr. Nimm die Berührung deines Körpers mit dem Boden wahr. Nimm die Gerüche wahr, die dich umgeben, die Geräusche, die Temperatur, die Energie. Nimm den Fluss deiner Gedanken wahr. Nimm die Fülle der Gegenwart wahr. Alles, was da ist. Nimm die Stille zwischen der Ein- und der Ausatmung wahr. Zentriere dich in deinem Atem. Tauche mit jedem Atemzug tiefer in deine Mitte ein. In der Pause zwischen zwei Atemzügen, zwischen zwei Gedanken, lass dich noch tiefer sinken, in deine Mitte. Lass dich sinken, an diesen Ort in dir, der jenseits des steten Wandels der Welt liegt, jenseits aller Turbulenzen im Außen, jenseits aller Dynamik, jenseits aller Fragen und Entscheidungen. Lass dich sinken, in deine Mitte. Und finde hier Frieden in dir selbst, im Hier und Jetzt. Finde hier, in der Permanenz deiner wahren Essenz, die Antworten auf all die Fragen, die der Wandel aufwirft. Und lächle.

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