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Herbstwimpern

September. Ein neuer Mond. Eine neue Jahreszeit. Ich fühle mich nicht sehr neu. Denn das, was zu Ende gehen soll, ist noch da. Das, was bleiben soll, ist fort. Mit dem Herbstlaub fallen auch meine Wimpern. Ich sammle sie von meinem Frühstücksteller und frage mich, ob sie Wünsche erfüllen können, wenn ich sie von meinen Fingern puste. Dann hätte ich viele Wünsche frei.

Das Licht wird weicher, die Farben wärmer und ich immer stiller. Die Tage sind voller Gedanken und nachts legt sich mir das Leben wie ein tonnenschwerer Mantel auf die Schultern, erdrückt mich fast und schenkt mir schlaflose Nächte und traurige Träume. Ich öffne ich die Augen und höre das Rauschen der Autos auf der Straße. Ich verstehe, wo ich bin, wer ich bin, spüre mein Herz und den kleinen Stein in meiner Hand. Ich träume meine Realität. Der Schatten dieser Erkenntnis begleitet mich, wo auch immer ich hingehe, was auch immer ich tue.

Ich sortiere mich und verliere mich dann doch wieder im Mosaik meiner zerbrochenen Teile, suche in den Scherben nach passenden Stücken, um etwas Neues daraus zu bauen. Doch immer fehlt das entscheidende Stück. Ich habe es verschenkt.

Die kleine Musikbox in meiner Fensterbank spielt „I am Light“. Ich lege mich neben meinen eigenen Schatten, atme ein, atme aus und verfolge die Lichter der Scheinwerfer an der Wand. Kummer steigt mir in die Augen.

Ich frage die Karten, die Bäume im Park, ich frage Freunde, Nachbarn, meinen Hund, die Sterne und im stillen selbst Fremde auf der Straße, ob es noch eine Chance gibt, oder ob das Licht am Ende des Tunnels nur die Lichter der heranrauschenden Bahn sind.

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