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Vom Suchen und Finden und was das mit Yoga zu tun hat

Ich bin eine Suchende. Rastlos. Ratlos. Kaum bin ich da, bin ich auch schon wieder weg. Du denkst mich zu kennen, da gebe ich mich schon wieder voller Hingabe dem nächsten Lebenswandel hin. Ich suche … das Glück, die Erfüllung, Zufriedenheit, Bedeutung, Antworten, eine Heimat. Ich suche in fernen Ländern, auf Reisen, in Jobs, Beziehungen und in der Meditation. Ich suche in Büchern, Lebensmodellen, der Astrologie, der Philosophie, in der Natur und im Yoga. Ich suche. Immer. Überall. Das ist furchtbar anstrengend und furchtbar schön. Vieles habe ich schon gefunden und vieles losgelassen. Die Idee stehenzubleiben macht mir Angst. Manchmal wird mir ganz schwindelig von dieser Suche und manchmal schwebe ich wie auf Wolken. Manchmal bin ich voller Zuversicht und manchmal zutiefst hoffnungslos. Manchmal denke ich, ich suche, weil ich nun mal eine Suchende bin und schon immer war, dass es gar nicht darum geht, etwas zu finden. Und manchmal denke ich, ich bin eine Suchende, weil ich suche, weil etwas fehlt, das ich irgendwann verloren habe.

Yoga hat mich von der Suche im Außen auf die Suche im Innen gebracht. Super, dachte ich, guckst du da mal nach, musst du auch nicht mehr um die halbe Welt reisen und kannst mal kurz durchatmen. Tja, soweit die Theorie. Klar, rein geographisch betrachtet ist es deutlich übersichtlicher geworden. Statt durch ferne Altstadtgassen und riesige Flughafenterminals irre ich jetzt durch die Weiten und Winkel meiner Seele. Und nicht selten verliere ich mich in mir selbst, in einer der vielen dunkeln Ecken, die ich während meiner Suche im Außen tunlichst gemieden habe. Das ist ganz schön gruselig aber auch sehr, sehr spannend, denn genau hier lassen sich die meisten Antworten finden. Die Frage ist nur, ob du bereit bist für diese Antworten und die Konsequenzen, die sie nach sich ziehen können. Eine meiner Konsequenzen war die Kündigung meines Bürojobs. Bäm! Jetzt ist mein Leben zwar nicht einfacher, aber ungemein schöner. Und die Suche geht weiter, denn ich spüre, das war erst der Anfang. Verrückte Sache, dieses Yoga.

Yoga ist Verbindung, Integration, Einheit. Und um dich diese Qualitäten leben zu lassen, führt es dir immer wieder schonungslos deine eigenen Schatten vor Augen. Denn wie soll man Verbindung, Einheit und Integration spüren, wenn man nicht mal sich selbst in Gänze annehmen kann? Wenn du aber beginnst, gezielt nach den dunkeln Ecken in dir zu suchen, mal die dicken Vorhänge beiseite schiebst, mit denen du sie vor der Außenwelt abgeschirmt hast und so das Licht wieder einfallen kann, verlieren diese Schatten bald ihren Schrecken. Vielleicht freundest du dich sogar mit ihnen an und du hörst auf sie zu verstecken. Du bist manchmal neidisch? Ist doch nur menschlich und irgendwie oft auch ein Ansporn, sich weiterzuentwickeln. Du bist schüchtern und still? So viele Menschen sehnen sich in dieser verrückten Welt nach jemandem, der zuhören kann und nicht permanent die eigene Großartigkeit in den Vordergrund spielt. Du hast einen großen Verlust erlitten oder eine schmerzhafte Erfahrung in der Vergangenheit gemacht, die noch immer dein Leben überschattet? Vielleicht kannst du Menschen helfen, denen es ähnlich ergangen ist und ihnen das Gefühl geben, nicht allein zu sein mit ihrem Kummer. Jede Schwäche kann zur Stärke werden, wenn du sie erkennst und ihr die Chance dazu gibst, wenn du sie annimmst und integrierst.

Ich gebe zu, diese Yoga-Reise nach Innen ist bislang der abenteuerlichste Trip, auf den ich mich je eingelassen habe. Man weiß nie, worauf man als nächstes stoßen wird – Licht oder Schatten, Glück oder Leid, Zuversicht oder Hoffnungslosigkeit, Liebe oder Ablehnung. Aber Fakt ist, das alles ist sowieso da, tief in dir drin. Du kannst es weiter ignorieren, unter den Teppich kehren oder hinter dicken, staubigen Vorhängen verbergen. Du kannst es einmauern oder vergraben und ganz fest Augen, Ohren und Herz verschließen, wenn es versucht sich an die Oberfläche zu arbeiten, und mit dem flauen Gefühl durch dein Leben gehen, dass irgendwas nicht stimmt. Oder du kannst mutig Licht in all diese dunkeln Ecken werfen, Staub aufwirbeln, sortieren, ordnen, loslassen, was sich loslassen lässt und annehmen, was bleibt, immer in dem tiefen Vertrauen, dass alles, aber auch wirklich alles, zu deinem Besten geschieht.

Ich bin noch immer eine Suchende, aber irgendwie auch eine Findende, denn ich bin angekommen in meiner Suche. Jede neue Frage und jedes neue Ziel bringt mich einen Schritt näher zu mir selbst.

Comments ( 2 )

  • Julia says:

    …was für ein wunderbarer und berührender Beitrag! Vielen Dank dafür!

    Ich hoffe, dich bald in deinem neuen Studio bei einem deiner Kurse zu besuchen :))
    Alles Liebe für dich und auf deiner weiteren ‚Reise‘
    Julia

  • Laura says:

    Wunderschöner Eintrag, er spricht mich an, weil ich mich so sehr in der Suchenden wieder erkenne und durch Yoga auch ein paar findende Momente gewonnen habe. Es ist wunderbar zu lesen, wie du die Suchende in dir annimmst und alles andere was auf diesem Weg zu dir gehört! Danke für die offenen Worte 🙂
    Ich wünsche dir alles Liebe auf deinem Weg ohne Bürojob! Sehr mutig! Habe vor kurzem auch meinen Job als Fotografin erstmal auf Eis gelegt und lasse mich überraschen, was das Leben so neues bringt 🙂

    Alles Liebe.
    Laura

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