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Going home 

Vor der Reise war ich ein bisschen nervös und aufgeregt, in erster Linie aber neugierig auf alles, was vor mir lag. Ich hatte ja nichts zu verlieren. Hätte mir das Reiseleben nicht gefallen, wäre ich eben einfach wieder umgekehrt. Alle Abschiede waren auf sechs Monate begrenzt, kein Grund also für dramatische Abschiedsszenen oder Heimweh.

Jetzt habe ich ein Rückflugticket gebucht und zusammen mit der Buchungsbestätigung kam die Angst. Denn wenn mir mein altes Leben nicht mehr passt, kann ich nicht einfach wieder umkehren und weiter durch die Welt tingeln. Der Abschied von meinem Leben in unbegrenzter Freiheit ist auf unbestimmte Zeit … wer weiß, ob es überhaupt ein Zurück geben kann.

Und ich lerne:
Auf eine Reise zu gehen ist leicht. Zurückkehren ist schwer. 

Ich verbringe die letzten Tage in Essaouira. Ich liege am Strand, spaziere durch die kleinen Gassen, blicke von Dachterrassen auf atemberaubende Sonnenuntergänge. Und immer wenn die Gedanken zur Ruhe kommen und ich diese letzten Momente still genieße, zupft die Melancholie wie ein nerviges Kind an meinem Ärmel und erinnert mich daran, dass das alles bald vorbei ist. Na schönen Dank auch!

Natürlich freue ich mich auf meine Freunde und meine Familie. Diese Mischung aus Vorfreude und Abschiedsschmerz lässt sich nur schwer in Worte fassen und ich kann nur hoffen, dass man Zuhause nachsichtig mit mir sein wird, wenn Tränchen fließen, wo Freude erwartet wurde. Es ist eben eine Art traurige Freude, aber dennoch Freude.

In einem Weltreise-Forum berichten die Leute, dass sie die Sehnsucht nach Freiheit und das Fernweh zum Teil auch Jahre nach ihrer großen Reise nicht loswerden konnten. Ich hoffe, dass es mir besser ergehen wird und dass die neue Katrin es sich erstmal auch wieder in ihrem alten Leben gemütlich machen kann. Klar, jetzt wo die Flügel voll ausgebreitet sind, wird das alles ein bisschen eng, aber es wird schon noch irgendwie passen.

Und jetzt kommt ja auch die Zeit, um Pläne zu schmieden und all das, was ich über mich, das Leben, das Universum und den ganzen Rest gelernt habe, im sogenannten wahren Leben umzusetzen und mir ein neues Lebensmodell daraus zu basteln. Und darauf freue ich mich wirklich. Denn wenn ich eins verstanden habe, dann, dass in dieser völlig verrückten Galaxie ausnahmslos alles möglich ist, was wir uns vorstellen können … und noch viel mehr.
  Also heißt es jetzt Ärmel hochkrempeln, die Melancholie in den Allerwertesten treten und losfliegen. Da draußen warten schließlich duocentillionen von Möglichkeiten darauf, von mir entdeckt zu werden.

You have escaped the cage. Your wings are stretched out. Now fly. (Rumi)

Comments ( 3 )

  • Anni says:

    Liebe Katti, es war toll Deine inspirierenden Berichte und Geschichten zu lesen und so -zumindest ein wenig von der Ferne- Dein Abenteuer mitzuerleben.

    Komm gut nach Hause! Ich drücke fest die Daumen, dass Du Deine gewonnenen Eindrücke und Erkenntnisse sehr lange bewahren kannst.
    Auf bald,
    Anni

  • Jeanette says:

    Ich bin zufällig über deinen Blog gestolpert! DANKE FÜR DEINE ZEILEN! Wie du deine Gefühle beschreibst über losgehen, heimkehren, YIN und YANG… trifft für mich voll ins Schwarze und ich kann mich nur anschließen, dass das Fernweh immer wieder aufflammt. Ich bin nun schon über 4 Jahre back in the hamsterwheel nach einem Jahr absoluter Freiheit, 12 Monate, in denen einen immer wieder dieses Kribbelkrabbelglücksgefühl überwältigt während man eingepfercht zwischen Reissäcken in irgendeinem fensterlosen Bus durch exotische Landschaften gurkt. Und heute komm ich mir schon fast wie eine Omi vor, die immer wieder von dieser Zeit erzählt, die immergleichen Geschichten, die Momente, die so GROSS waren. LUCKY US!! Ich les wieder mal bei dir rein!
    Alles Liebe!
    Jeanette

    • New Moon Yoga says:

      Danke, liebe Jeanette! Ja, ich erzähle auch immer noch so viel von der Reise und schwelge in meinen Erinnerungen. Aber ich finde es auch schön, mich dadurch immer wieder selbst daran zu erinnern, wie schön das Leben sein kann. Ich arbeite daran, meine Träume weiter zu leben. Und bald gibt es den nächsten Blogpost … der auch vom Reisen handeln wird. 😉

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