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„Ich hab die ganze Welt gesehen …

… von Singapur bis Aberdeen, wenn du mich fragst, wo’s am schönsten war, sag ich …“ na, jedenfalls nicht Sansibar! (Achim Reichel, Aloha Heja He)

Ich habe lange nicht geschrieben. Schuld ist Marokko. Dieses umwerfende, unglaubliche Land, das mir den Atem raubt und mein Herz höher schlagen lässt.

Von Anfang an hatte ich die Vorahnung, dass hier etwas mit mir geschehen würde. Und so ist es auch. Weit weg von Zuhause fühle ich mich auf einmal Zuhause. Ich gucke auf den Ozean und verstehe plötzlich – jetzt, wo meine Reise fast vorüber ist – wo die Reise eigentlich hingehen soll. Ich erkenne, was mir wichtig ist, was Glück für mich bedeutet und was überflüssig ist in meinem Leben. Ich mache mein Herz auf und lasse die Marokko-Magie rein. Ich mache meinen Kopf zu und lasse das Leben einfach passieren. Und mir wird klar, dass all das die ganze Zeit schon da war, direkt vor meiner Nase. Aber ich war so sehr auf der Suche nach einer komplizierten Glücks- und Erleuchtungsformel, dass ich den Wald vor lauter Bäumen nicht gesehen habe.

  So ganz kann ich das alles auch noch nicht in Worte fassen. Ich bin glücklich und erstaunt, über alles, was ich hier über mich und das Universum, das Leben und den ganzen Rest gelernt habe. Und gleichzeitig bin ich ein bisschen überwältigt und erschlagen, wenn ich mir bewusst mache, wie weit der Weg noch ist, der da vor mir liegt. Und für diese Strecke gibt es weder Flugverbindungen noch Bummelbusse oder Sammeltaxen. Da muss man schon zu Fuß gehen, Schritt für Schritt für Schritt …

Aber das ist eben meine nächste Reise. Diesmal nicht rund um den Globus, sondern zu mir selbst und in mein neues Leben, dafür aber auch nicht auf ein halbes Jahr beschränkt, sondern open end. Und auch wenn ich keine exotischen Destinationen anpeile, sondern einfach nur meinem Herzen folge, wird es viel Neues auszuprobieren geben. Das Leben ist eben ein einziges großes, völlig verrücktes Abenteuer und wer sich darauf einlässt, kann richtig was erleben.


Aber jetzt atme ich erst noch mal tief durch und sauge so viel Wunder und Energie, Sonne und Meeresluft in Marokko auf, wie nur irgend möglich. Denn bald geht es nach Hause. Der Rückflug, den ich gestern in einem Anflug von Vernunft und weil alle nach meiner Rückkehr fragen, gebucht habe, wurde – leider, leider – von der Fluggesellschaft nicht bestätigt, was mir einen kleinen Aufschub des Reiseendes ermöglicht hat. Jetzt ist noch mal kurz alles offen und alles möglich, und ich bin äußerst gespannt, was das Universum noch mit mir vor hat.


Der Abschied von Marokko wird ganz sicher ein „Bis bald!“ und dennoch melancholisch. Dieses Land, seine Strände, Berge und Menschen sind zu besonders, als dass man einfach so gehen könnte, als wäre nichts gewesen. Ein Stückchen Herz bleibt hier und solche Abschiede sind eben immer auch ein bisschen schmerzhaft.

Run from what’s comfortable. Forget safety. Live where you fear to live. Destroy your reputation. Be notorious. (Rumi)

 

Comments ( 4 )

  • Karin says:

    Deinem Beitrag bleibt einfach nichts hinzuzufügen…. vielleicht solltest du Schriftstellerin werden, du hast einen so feinen Sinn für eindrückliche Beschreibungen…. So feinstoffliche Dinge wie Gefühle und Stimmungen so verständlich und einfühlsam auszudrucken – das ist eine Gabe…. deine Gabe… allerliebste Grüße und ein gutes wieder Zuhause-Ankommen, Karin

  • Steffi says:

    Oh wie schön das es Dir gut geht und das Du noch so eine bezaubernde Zeit in Marokko hast….und wie toll Du immer schreibst….. Alles Liebe
    und ein erholsames Ankommen auch von mir, Steffi

  • Susanne says:

    Ich will auch nach Marokko!
    Ich freue mich sehr auf dich.
    Dieser Text hat mir ein wenig Angst gemacht – ich dache du bleibst da.💕

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