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Happy Yoga Reunion in Delhi

Ich nehme an, die Lungen eines jahrzehntelangen Kettenrauchers lassen sich durchaus mit denen eines Tagestouristen in Delhi vergleichen, auch wenn dieser sein Leben bislang gesund und rauchfrei in kristallklarer Bergluft verbracht hat.

Man nehme Rishikesh, addiere ein paar Millionen Wahnsinniger, potenziere den Lärmpegel mit 10, positioniere an jeder Ecke mindestens 15 aufdringliche Schlepper, die einen ins Teppichgeschäft irgendeines Cousins, der natürlich schon mal in Deutschland war, lotsen wollen und drei abgemagerte Kleinkinder, die sich einem bettelnd ans Hosenbein hängen. Zur Auflockerung mische man noch jede Menge Ratten, Hunde und Ziegen unter und damit es nicht langweilig wird hier und da einen atemberaubenden Tempel, Grünanlagen, ein Paar Superreiche, unzählige Tuktuks, Turbanträger, Frauen in Burkas und Verstümmelte, die einem ungeachtet ihres herben Schicksals ein breites, zahnloses Grinsen schenken. Ist das farbenfrohe Szenario dann noch eingehüllt in einen Duftschleier exotischer Gewürze und vernebelt vom Smog dann weiß man ziemlich sicher: Hey, ich muss in Delhi sein. Ein Ort, an dem man sich ganz besonders gut an sein Hitchhiker-Handtuch klammern sollte. Aber auch ein Ort, der für Überraschungen gut ist.

Ich bin sehr froh, dass ich mich mit Managua, San José, Manila und Bangkok ganz langsam, Hauptstadt für Hauptstadt, an diesen Irrsinn herangetastet habe. Und ich bin auch froh, dass ich heute eigentlich versehentlich in den Lodi Gardens, einer grünen Oase der Ruhe inmitten des Chaos, gelandet bin. Hier habe ich zur Beruhigung erstmal Streifenhörnchen gefüttert. Ansonsten wäre ich wohl über kurz oder lang durchgedreht.

  
Und dann haut das Universum wieder so einen Kracher raus. Mitten im Gewusel des Connaught Place, wo ich verzweifelt auf der Suche nach Kontaktlinsenflüssigkeit war, treffe ich dann zwei Yogafreunde aus Rishikesh, die verzweifelt auf der Suche nach einem funktionierenden Geldautomaten waren. Zusammen haben wir dann beides gefunden. Das Schicksal hat halt immer noch ein Ass im Ärmel, für alle, die bereit sind, sich furchtlos ins Unbekannte zu stürzen. Happy Yoga Reunion in Delhi.

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