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Singapur – ein Ort, der Fragen aufwirft

Singapur ist sehr, sehr merkwürdig. Während der Rest Südostasiens sich dem perfektionierten Chaos hingegeben hat, herrscht hier Zucht, Ordnung, Sauberkeit und grenzenloser Reichtum. Da stellen sich mir spontan drei Fragen.

  1. Wie machen die das?
  2. Warum kriegen die anderen das nicht hin?
  3. Ist es überhaupt so erstrebenswert, dass überall Zucht, Ordnung, Sauberkeit und grenzenloser Reichtum herrscht?

Bezüglich der ersten Frage meine ich hinreichend Beweise für eine Belagerung von Außerirdischen gesammelt zu haben. Anders, kann ich es mir nicht erklären.

   Denkt man diesen Ansatz konsequent weiter, beantwortet sich hierdurch auch die zweite Frage.

Vielleicht kommt einem Singapur auch nur so merkwürdig vor, wenn man zuvor in anderen südostasiatischen Ländern unterwegs war. Während ich in Manila zum Beispiel noch – wirklich versehentlich – eine 1,5 Liter Flasche Wasser durch sämtliche Sicherheitskontrollen ins Flugzeug geschmuggelt habe, wird einem noch während des Fluges nach Singapur klar: Hier läuft das anders! Auf dem kleinen Zettel, den jeder Ausländer für die Einreise ausfüllen muss, steht sinngemäß: „Willkommen in Singapur! Ach, und übrigens, mit Drogendealern machen wir hier kurzen Prozess – Todesstrafe! Also überleg dir das lieber zweimal, Freundchen.“ 

Mein Handgepäck wurde dann noch am Ankunftsgate gründlich durchsucht und vor Verlassen des Flughafens wurde sowohl ich, als auch mein Rucksack und mein Handgepäck gescannt. Außerdem wurde ich gefragt, ob ich Pfefferspray dabei habe. Im Hostel wurde mein Pass gescannt UND kopiert. Es gibt ein ausgeklügeltes Sicherheitssystem mit Codes und programmierten Chipkarten, das den Zugang zum Hostel sichert. Auf den Philippinen habe ich ehrlich gesagt meist nicht mal meine Zimmertür abgeschlossen … und mich trotzdem irgendwie sicherer gefühlt.

Die Stadt war heute voll mit Panzern und militärischen Fahrzeugen und beim Abendessen ist mir fast der gebratene Gemüsereis vom Löffel gefallen, als plötzlich 10(!) Düsenjets nacheinander direkt über uns die Schallmauer durchbrachen.


Dass sich in Singapur alle an die Regeln halten, liegt wohl also nicht zuletzt daran, dass hier grundsätzlich erstmal jeder als Verdächtig gilt und ein gewisses Grundmisstrauen gegenüber allem und jedem vorhanden ist. Zudem ist die Polizeipräsenz enorm und alles wird überprüft und kontrolliert. Wer aus der Reihe tanzt, darf sich auf eine saftige Bestrafung freuen. Auf den Philippinen bin ich unbeschwert über die Märkte geschlendert. Hier drücke ich in Chinatown und Little India plötzlich meinen kleinen blauen Rucksack an mich und vermute Gauner und Halunken an jeder Ecke.

Das ist natürlich völlig bescheuert. Und ich hab auch gar keine Lust, dass dieses Misstrauen Menschen gegenüber auf mich überspringt. Heute Abend war ich dann also – völlig entspannt – in einem malaysischen Viertel essen. Eine muslimische Familie hat mich an ihren Tisch eingeladen, damit ich nicht allein sitzen muss und wir haben dann zusammen bis Sonnenuntergang gewartet und beim Ertönen des Ramadan-Alarms (gibt es natürlich als iPhone App) zusammen reingehauen als gäb’s kein Morgen.  

 Und somit komme ich zu meiner ganz subjektiven Beantwortung der dritten Frage.

Lieber als Zucht, Ordnung, Sauberkeit und grenzenlosen Reichtum habe ich Chaos, Kreativität, Schmuddel und ein einfaches Leben. Das Schöne ist aber, dass in Singapur so ein herrlich verrückter, kunterbunter Mix von Religionen und Nationen lebt, dass die Außerirdischen es niemals ganz unter Kontrolle bringen werden. Und als Zeichen meiner Rebellion gegen die Perfektion habe ich heute ein kleines Eis-Papier einfach so vom Tisch wehen lassen und NICHT aufgehoben und weggeworfen. Jawohl! Anarchie! 

Morgen reise ich weiter nach Malaysia. Falls mein radikales Müll-Verhalten doch noch Konsequenzen nach sich ziehen sollte und es an der Grenze zu einer Festnahme kommt, bitte ich darum, meinen Grabstein mit folgendem Satz zu gravieren:

Macht’s gut, und danke für den Fisch. (Per Anhalter durch die Galaxis)

Aber der gute Ganesh wird mir schon beistehen und für einen reibungslosen Grenzübergang sorgen. Also, don’t panic!

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