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Hauptstadt-Blues

Gestern noch Friede-Freude-Eierkuchen in Sámara, heute Asphaltlabyrinth und Nieselregen in Costa Ricas Hauptstadt San José.

Ich gebe zu, eine echte Chance mich von seiner eventuell verborgenen Schönheit zu überzeugen gebe ich dieser Stadt nicht. Ich bleibe genau eine Nacht bevor es morgen weiter nach Panama geht. Aber das reicht mir auch. Wir hatten auch einfach keinen guten Start, San José und ich.

Der Taxifahrer hat versucht mich zu bescheißen (aber nicht mit mir!) und im Hostel hab ich die Putzfrau noch mal ins Bad geschickt, weil das völlig verdreckt war (kann man ja mal vergessen bei der Grundreinigung). Ich musste das Zimmer bar bezahlen, aber Wechselgeld gab es nicht. Das kriege ich angeblich irgendwann später (na klar!). Der Himmel ist grau, es nieselt und die Voluntärin im Hostel hat mich mit ihrer wirren Wegbeschreibung nicht ins Stadtzentrum, sondern in den nächstbesten Slum geschickt. Endlich im Stadtzentrum angekommen bin ich umgeben von Krach, Gestank und Kleinkriminelllen. Es ist Sonntag, alle netten Cafés und Restaurants liegen verschlossen hinter stählernen Rollgittern, weshalb der Hunger mich letztendlich in einen MC Donald’s treibt. Durch die Fußgängerzone schallt der aufdringliche Blockflötensound einer leicht verstörenden Cowboy-Indianer Familienband.  Hauptstadt-Blues?

 Entweder bin ich noch völlig verweichlicht und benebelt von all den friedlichen Inseln und Hippie-Dörfen, die ich bislang bereist habe, oder San José ist einfach wirklich schrecklich. Obwohl, ich habe ein paar schöne Graffitis gesehen. In dieser Stadt sind offenbar Künstler zuhause.

Wahrscheinlich ist San José eben erst auf den zweiten Blick wirklich schön oder wenn man es von den richtigen Menschen gezeigt bekommt.

Zum Glück ist mein Zimmer so riesig, dass ich wunderbar meine Yogamatte ausrollen und darüber nachdenken kann, was mich diese Stadt auf dem Weg zur Erleuchtung lehren soll. Und selbst wenn mir der Sinn dieser Zwischenstation verborgen bleibt, morgen in aller Frühe geht es auf nach Panama, das ja bekanntlich von oben bis unten nach Bananen riecht.

Comments ( 1 )

  • Ka says:

    Und kaum ist der Beitrag veröffentlicht, beginnt im Innenhof ein Mädchen ganz wunderschön zu singen und Gitarre zu spielen. Der Hostelchef klopft an meine Tür, fragt mich, ob ich mein Zimmer mag und gibt mir mein Wechselgeld. Dabei läuft seine kleine Welpe Frida ins Zimmer und kuschelt sich auf meine Füße. Ich muss jetzt ein bisschen über mich selbst und meine schlechte Laune lachen. LIFE IS GOOD! Man braucht nur manchmal ein bisschen Geduld und muss dann die Augen und Ohren und das Herz auch aufmachen, wenn es schön wird.

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