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Costa Ricas grüne Berge

Gute Nachrichten: Ich fühle mich nicht mehr einsam, sondern genieße das Alleinsein. Das liegt allerdings in erster Linie daran, dass hier in Costa Rica hauptsächlich Amis unterwegs sind, die sich mit Vorliebe zu Gruppen von mindestens fünf grölenden Rollkoffer-Touris mit wahlweise Neon-Muskelshirts oder Neon-Hotpants zusammenschließen und völlig entrüstet gucken, wenn ein Straßenverkäufer ihre Muttersprache womöglich nicht ganz akzentfrei spricht. Wenn der Anschluss an eine solche Gruppe die Alternative zum Alleinsein ist, fühlt man sich auf einmal pudelwohl mit sich selbst. Gut ist auch, dass sie sich hier im schönen Monteverde zwar an Canopy-Seilen durch die Baumkronen ziehen lassen, Bungee-Sprünge machen oder sonstwelche Aktivitäten, die möglichst keinen Fußmarsch über zwei Minuten erfordern, die echte Natur aber ansonsten weitgehend verschonen. So konnte ich gestern völlig allein auf den höchsten Berg, Cerro Tres Amigos (1842 Meter), steigen, durch die kleinen Reservate ohne Canopy-Action schlendern und in aller Ruhe Faultiere, Nasenbären, Kolibris, Dschungelhasen und viele andere Tiere beobachten. Die findet man nämlich weder in Sichtweite der Canopy-Seile noch in Hörweite der grölenden Neon-Ami-Gruppen, sondern einfach so im Nebelwald. Dort, wo Ruhe herrscht.

Heute ging es dann hoch zu Ross durch die Berge. Auch hier war ich wieder mit dem Guide allein. So viel Grün, so viel Natur, so viel Freiheit und Ruhe.

Und während man aus den Hochebenen in die Ferne guckt, auf die Kaffeeplantagen, die friedlich grasenden Rinder, den Pazifik bekommt man irgendwie auch einen Weitblick auf sein Leben.

Und irgendwie glaube ich, dass es gut ist, jetzt erstmal wirklich allein zu reisen und mich nicht direkt mit anderen Backpackern zusammenzutun. Um zur Ruhe zu kommen und in mich hineinhören zu können. Und das Universum hat mir die Amis geschickt, damit ich gar nicht erst in Versuchung gerate. Und wie ich das so schreibe, finde ich sie auf einmal gar nicht mehr so nervig, sondern irgendwie ganz hilfreich auf meinem Weg zur Erleuchtung.

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