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Neumond – neue Abenteuer

Nach sechs aufregenden und wunderschönen Wochen in Nicaragua bin ich heute in Costa Rica angekommen. Und ich bin allein. Denn nach zwei gemeinsamen Reisewochen, diversen Mutproben, Dschungelprüfungen und einer Nahtoderfahrung befand Katja mich letztendlich für reisetauglich, setze mich heute Morgen in ein Taxi Richtung Busbahnhof in Managua und nahm selbst den nächsten Flieger Richtung Heimat. Meine Tränchen konnten ihr Abenteurerherz nicht erweichen. Und das ist auch gut so. Denn es ist Neumond. Das heißt, ein neuer Abschnitt beginnt und neue Abenteuer warten. Neue Wege wollen gegangen, neue Menschen kennengelernt, neue Berge bezwungen und neue Länder bereist werden.

Noch fühlt sich das Alleinreisen allerdings ein bisschen seltsam an, vorallem weil Katja und ich gemeinsam so viele tolle Dinge erlebt haben. Rauchende Vulkane, leuchtend blaue Lagunen, Regenwälder, Affenfamilien, einsame Traumstrände. Wir haben den Sieg eines nicaraguanischen Boxers gefeiert und bei einem kühlen Toña und Flor de Caña über das Leben und die Liebe philosophiert.

  

Besonders in Erinnnerung werden mir wohl die folgenden Situationen bleiben.

Da wäre zum einen die Fahrt über das offene karibische Meer Richtung Little Corn Island in einer maroden und überladenen Nussschale namens „Panga“.  Was ich ohne übertreiben zu wollen als Nahtoderfahrung verbuchen würde, war für Katja allerdings der größte Spaß überhaupt. Während sie voller Vorfreude auf die nächste achterbahnartige Magenverwirbelung beim Absturz des Bootes ins nächste Wellental wartete, zog mein Leben noch einmal in einzelnen Bildern an mir vorbei. Ehrlich wahr! Leider gibt es von dieser Überfahrt keine Fotos. Das liegt daran, dass alles, was nicht niet- und nagelfest war, in wasserdichte Beutel verpackt im Laderaum liegen musste, um nicht von den drei Meter hohen Wellen aus dem Boot geschwemmt zu werden. Außerdem musste ich auch zusehen, selbst nicht über Bord zu gehen, weshalb ich mich in Todesangst an einem halb losen Brett vor mir festgeklammert habe, den Blick starr auf den Boden gerichtet, um die Riesenbrecher wenigstens nicht auf uns zurollen zu sehen. Es fing übrigens während der Überfahrt auch noch an heftig zu regnen. Ja, und dann kommst du völlig entkräftet und pitschnas auf dieser traumhaften Pirateninsel an, die romantischer und karibischer gar nicht sein könnte. Das Paradies! Ein Aussteigertraum! Und alles was du denken kannst ist: Das Panga ist das einzige Transportmittel zwischen Little und Great Corn Island – und ich muss damit auch wieder zurück fahren! Ich habe meine Angst dann allerdings erfolgreich in Bier und Piña Colada ertränkt und mich bei meiner morgendlichen Yogapraxis schon mal mental auf die Rückfahrt vorbereitet. Außerdem sind Katja noch weitere lustige Mutproben zur Vorbereitung auf meine Weiterreise eingefallen, die meine Panga-Sorge kurzfristig verblassen ließen.

Um keine Langeweile aufkommen zu lassen, haben wir nämlich noch ein paar Nachtwanderungen im Dschungel unternommen. Wer schon mal in den Genuss gekommen ist, nach Einbruch der Dunkelheit durch den Dschungel einer entlegenen Karibikinsel ohne beständige Stromversorgung zu laufen, hat eine grobe Vorstellung davon, wie beängstigend die Geräusche der Natur bei völliger Dunkelheit sein können. Da wir diesen Weg allerdings jeden Abend vom Village zu unserem Dschungelhäuschen auf der anderen Inselseite laufen mussten, musste ich meine Panik wohl oder übel in den Griff bekommen. Und ich kann voller Stolz verkünden, den Weg beim letzten Mal fast ohne Schreien und ohne Katjas Hand zu halten bestritten zu haben. Auch hiervon gibt es keine Fotos – zu dunkel.

Und was soll ich sagen? Auch die Erleuchtung kam natürlich nicht zu kurz. An einer Hotelbar in Managua begann unsere gemeinsame Reise, und an einer solchen Bar haben wir gestern Abend auch unseren bevorstehenden Abschied bedauert. In Gesellschaft einiger verkrachter Existenzen und untermalt durch einen sentimentalen Simon & Garfunkel Konzertmitschnitt auf dem fettverschmierten Flachbildmonitor der Bar haben wir über das Leben sinniert, und das Universum … und den ganzen Rest. Hier ein kurzer Ausschnitt unseres tiefschürfenden Gedankenaustausches. „Was haben wir der Welt eigentlich zu geben?“ „Lass mal lieber einen Schnapps bestellen.“ Davon abgesehen drehten sich unsere Gespräche aber um unser Lieblingsthema: Wie sehr unsere Freunde unser Leben bereichern. Und was ich gestern im Neonlicht der Hotelbar theoretisch schon begriffen hatte, spüre ich jetzt allein in Costa Rica sehr praktisch. Denn jetzt, wo meine Coco Loco Yoga-Freunde wieder in der Welt zerstreut sind, Katja zurück nach Deutschland geflogen ist und alle meine Liebsten weit, weit weg sind, fühle ich mich ganz schön einsam.

Aber: Heute ist der erste Tag allein auf Reisen. Morgen fahre ich weiter nach Santa Elena und lerne bestimmt bald andere Backpacker kennen. Und dank der sozialen Netzwerke sind ja auch meine Freunde und meine Familie immer irgendwie auch ein bisschen mit dabei bei jedem Reiseabschnitt.

Neumond – neue Abenteuer. Jetzt geht es richtig los! Man kann ja nicht immer nur gemütlich in der Hängematte liegen wenn man nach Erleuchtung sucht.

Danke noch mal an Katja für die tolle Zeit, die wir zusammen hatten. Ich hoffe, dir ist der Abschied nicht nur wegen der drei Kilo, die wir vor deiner Rückreise von meinem in deinen Rucksack umgeladen haben, schwer gefallen. Ich fühle mich jetzt elfengleich und federleicht.

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