Blog


Abschied nehmen und alte Zöpfe abschneiden

schaukel

Diese Woche ist geprägt von Abschieden. Einige liegen schon hinter mir, einige noch vor mir. Auffällig ist, dass mir keiner der bisherigen Abschiede wirklich schwergefallen ist oder mich wirklich traurig gestimmt hätte. Natürlich ist mir bewusst, dass es Menschen gibt, die ich vermissen und Momente, die ich verpassen werde. Allerdings überwiegt dennoch eindeutig das Gefühl der Vorfreude und Abenteuerlust. Also nichts mit sentimentalen Abschiedstränchen, dramatischen Abschiedsszenen und triefenden Taschentüchern (fänd ich ja schon fast wieder cool).

Deutlich schwerer fällt mir da hingegen – ich traue es mich kaum zu sagen – die Trennung von meinen langen Haaren, denn die wird morgen, als Folge meines neugewonnenen Backpack-Pragmatismus, das Zeitliche segnen. Das wiederum hat mich dann aber schon ins Grübeln gebracht. Erklärt sich dieses völlig blödsinnige Ungleichgewicht am Ende dadurch, dass ich oberflächlich, eitel, gefühlskalt und gedanklich bereits in meine kleine Yogareisewelt abgedriftet bin? Eine unschöne Vorstellung. So will ja keiner sein.

Heute Stieß ich dann aber auf einen schönen Gedanken von Arthur Schopenhauer, der für mich ein wenig Licht ins Dunkel brachte.

„Entfernung und lange Abwesenheit tun jeder Freundschaft Eintrag.“ (Arthur Schopenhauer)

Ich gehe ja nicht für immer, sondern für eine sehr überschaubare Zeit von sechs Monaten. Zudem gehe ich bewusst allein und nicht, weil sonst keiner mal eben ein halbes Jahr Zeit hatte. Ich werde mich verändern, meine Freunde werden sich verändern, die Umstände werden sich verändern, alles wird sich verändern, aber das ist schön, ist Bewegung, ist Weiterentwicklung. Nichts also, was einen wehmütig oder traurig stimmen sollte – ganz im Gegenteil. Die, die mir am Herzen liegen, sind auch im Oktober noch da und dann geht die Geschichte mit neuem Schwung weiter.

Warum ich allerdings so ein Theater um die Trennung von meinen europäischen Fusselhaaren mache, lässt sich über diesen Ansatz leider nicht erklären. Um dem Ganzen wenigstens eine gewisse Symbolik zu verleihen, könnte man jetzt sagen „Alte Zöpfe muss man abschneiden“. Und so banal es klingt, auch darin verbirgt sich ja eine kleine aber feine Erkenntnis auf dem Weg zu Erleuchtung: Loslassen is the key, baby.

liegen

 

Comments ( 4 )

Leave A Comment

Your email address will not be published. Required fields are marked *