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Das Dilemma mit dem One-Way Ticket. oder: … und dann kam Hanna.

Ich gebe zu, ich fühlte mich schon ganz schön abgebrüht, als ich meinen Flug nach Nicaragua gebucht habe und auf die Frage nach dem Rückflugdatum in lässiger Indiana Jones Manier „One-Way – ich brauche keinen Rückflug.“ geantwortet habe. Die Reiseverkehrskauffrau machte große Augen. Was ich, benebelt von meiner eigenen Coolness, in diesem Moment als bewundernde Anerkennung interpretierte, war wahrscheinlich eher deren erfahrungsbedingte Vorahnung, dass ich das womöglich noch bereuen würde. Und, ähh, so kam es natürlich auch irgendwie.

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In vielen Weltreise Blogs wird immer wieder betont, dass man sich doch bitte nicht durch ein vorab gebuchtes Round the World Ticket (RTW-Ticket) die Flexibilität während der Reise nehmen solle. Durchgeplant und durchgetaktet sei man ja schon im Alltag genug. Sich lieber einfach mal treiben lassen, spontan entscheiden, wie es weitergehen soll. Klingt schön. Klingt nachvollziehbar. Fand ich auch. Zudem gab es auch kein RTW-Ticket, dessen Streckennetz auch nur ansatzweise zu meinen Vorstellungen der Reiseroute gepasst hätte. Die Sache mit dem One-Way Ticket hat aber blöderweise ein paar klitzekleine Haken, die mir dann nach und nach bewusst wurden.

1. Einreisebestimmungen

In sehr vielen Ländern wird bei der Einreise (bzw. schon bei der Ausreise aus dem Heimatland) geprüft, ob ein Rückflugticket oder ein Weiterreiseticket in ein anderes Land vorliegt. Ist dem nicht so, wird einen entweder die Fluggesellschaft des Startflughafens gar nicht erst befördern oder es wird einem im Ankunftsland die Einreise verweigert. Beides irgendwie blöd. Erfahrene Traveller werden an dieser Stelle gähnend anmerken, dass die Überprüfung des Weiterreisetickets ja gar nicht zwingend erfolgen MUSS und man durchaus auch Glück haben KANN. Ich habe für mich entschieden, dass ich auf diesen Kick bei der Ein-/Ausreise gern verzichten kann. Ist vielleicht noch ganz witzig mit seinem besten Kumpel für ein paar Nächte in nicaraguanischer U-Haft zu landen – super Story! Für eine alleinreisende Frau hält sich der Spaß da aber eher in Grenzen, glaube ich.

2. Buchungsstress

Nehmen wir an, ich hätte es ohne Weiterreiseticket nach Nicaragua geschafft, dann hätte ich den gleichen Stress spätestens wieder, wenn ich versuche die Grenze zu Costa Rica, Panama oder sonstwohin zu überqueren. Irgendwie muss ich also immer dafür sorgen, dass ich zumindest ein anerkanntes Busticket aus der Tasche zaubern kann, wenn der Grenzbeamte böse guckt. Natürlich hätte ich mir irgendwann in Nicaragua den Weiterflug nach Asien buchen können, aber auch in Asien hätte ich ja wieder ein Weiterreiseticket für die Einreise benötigt. Irgendwie beißt sich da doch die Katze in den eigenen Schwanz. Der Preis für die Flexibilität ist dann also, dass man, anstatt entspannt in der Hängematte zu schaukeln und sich auf die bereits gebuchte Weiterreise zu freuen, hektisch auf der Suche nach einer funktionierenden Internetverbindung ist, um irgendwie noch schnell ein bezahlbares Ticket zu buchen. Und derart unentspannt würde ich die Erleuchtung wahrscheinlich nicht mal erkennen, wenn sie mir direkt in die sonnenverbrannte Nase kneifen würde.

3. Last Minute Booking war gestern (leider)

Klar, Inlandsflüge und Kurzstrecken kann man Last Minute noch sehr günstig buchen. Bei Langstrecken (und hierzu zählen zum Beispiel die gut 16.000 km Luftlinie von Costa Rica nach Manila) sieht man leider alt aus wenn man kurz vor Reiseantritt buchen will und einkommenstechnisch nicht zu den oberen Zehntausend dieser Welt gehört. Zudem gibt es gerade für die Langstrecken unzählige Fluggesellschaften und Stopover-Möglichkeiten. Als Laie kann man außerdem kaum erkennen, ob es sich um ein sogenanntes „durchgebuchtes Ticket“ handelt, bei dem die Fluggesellschaft verpflichtet ist, einen weiterzubefördern, auch wenn man einen Anschlussflug verpasst hat, oder ob man mit Einzeltickets reist und in so einem Fall einfach mal dumm aus der Wäsche gucken würde.

Und nun?

Nun, da mir diese drei klitzekleinen Häkchen meines kühn gebuchten One-Way Tickets plötzlich bewusst wurden, begann ich also, nach einer Lösung zu suchen. Ein klassisches RTW-Ticket passte nicht zu meinem Reisevorhaben. Meine Idee mit den spontan gebuchten One-Way Tickets passte weder in mein Budget noch zu den Einreisebestimmungen der meisten Länder auf meiner Route. Was ich brauchte, war so eine Art individuelles RTW-Ticket, unabhängig von irgendwelchen Streckennetzen oder limitierten Stopover-Möglichkeiten. Also öffnete ich gleichzeitig vier Flugbuchungsseiten im Internet, verglich Fluggesellschaften, Flugverbindungen, Flugpreise und Reisedaten. Daneben lag mein Handy, mit dem ich parallel die Preise in den einschlägigen Flugbuchungs-Apps überprüfte. Als ich kurz vorm Verrücktwerden war, kam mir eine völlig absurde Idee. Gab es da nicht in Zeiten vor dem World Wide Web diese heute völlig sinnlos erscheinenden Reisebüros?

In meiner Verzweiflung vereinbarte ich einen Termin mit STA Travel in Hamburg und setzte mich zusammen mit meiner Skepsis an einen kleinen Beratertisch. Ja … und dann kam Hanna. Hanna, die auch schon Reisen für meinen Lieblings-Reiseautor Helge Timmerberg organisiert hat (wie ich hinterher erfuhr). Über zweieinhalb Stunden hackten Ihre Finger auf die Tastatur ein, immer wieder fielen ihr neue tolle Stopovers und Verbindungsmöglichkeiten ein. Wir ergänzten Orte, die ich vorher noch gar nicht auf dem Schirm hatte. Meine Skepsis hatte sich unbemerkt aus dem Staub gemacht und ich hatte das Gefühl, genau die richtige Entscheidung getroffen zu haben.

Denn jetzt habe ich es – mein ganz individuelles Ticket zur Erleuchtungssuche im Rahmen einer Weltumrundung. Die perfekte Kombination aus Sicherheit (ich habe immer ein gültiges Weiterreiseticket) und Flexibilität (viele Strecken lege ich noch mit Bus, Bahn oder per Inlandsflug zurück, nur die wichtigsten Verbindungen sind bereits gebucht und teilweise sogar noch umbuchbar). Vielleicht nicht so günstig, wie ein standard RTW-Ticket, aber dafür genau auf meine Bedürfnisse abgestimmt.

Natürlich muss jeder für sich selbst entscheiden, mit welcher Reiseform er sich am wohlsten fühlt. Ich habe für diese Reise vielleicht nicht die abenteuerlustigste Variante gewählt, dafür aber eine, die bei mir die Vorfreude noch weiter gesteigert hat. Ich konnte es kaum fassen, als ich in meinem Flugplan all diese exotischen Ziele gesehen habe. Was für eine wundervolle Reise liegt da vor mir!

Und wer weiß, vielleicht wird mich dieser Trip auch dahingehend verändern, dass ich bei nächsten Mal tatsächlich den Indianer Jones raushängen lassen kann und völlig entspannt One-Way buche.

 

statravel

 

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