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Metamorphose zum Backpacker

mexiko Vor nicht allzu langer Zeit lachte ich noch lauthals mit, als mein Bruder meinte: „Treckinghose mit Reißverschluss-Hosenbein?! Stempel dir doch gleich TOURIST auf die Stirn und häng dir am besten noch ein Brustbeutelchen um.“ Heute bin ich stolze und vor allem überzeugte Besitzerin einer solchen Hose. Und damit nicht genug. Ich scheine eine Art Metamorphose zum Backpacker zu durchlaufen und tausche Fashion gegen Funktionalität. Was zählt ist nicht mehr wie es aussieht, sondern wie viel es wiegt, ob es Schmutzabweisend ist, schnell trocknet und auch die gutgemeinten Bemühungen einer indischen Handwäsche im Ganges übersteht. Zu meinen weiteren neuen Errungenschaften zähle ich einen tarnfarbenen Tropenhut mit Kinnband, der sich auf die Größe einer schrumpeligen Mandarine zusammenknautschen lässt, ein Paar schlammfarbene Treckingschuhe für Wüstenregionen, ein geliehenes Moskitonetz, unter dem locker eine nicaraguanische Großfamilie Platz findet, ein ebenfalls geliehenes Taschenmesser mit derart vielen Funktionen, dass McGyver damit im Nullkommanichts die Welt gerettet hätte, eine Hüfttasche und – um dem Luxus auf Reisen nicht ganz zu entsagen – ein komprimierbares Kopfkissen, eine Schlafmaske und Ohrstöpsel für Schlafkomfort in den entlegensten Winkeln der Welt. Nicht zu vergessen meine neue Reise-Yogamatte als zentrales Packstück für meine Suche nach Erleuchtung. An meinem freien Tag letzte Woche durchstreifte ich die Outdoor-Abteilungen verschiedener Sportgeschäfte und nach Feierabend recherchiere ich Einreisebestimmungen, suche nach schöner Reiseliteratur und lasse meinen Gedanken freien Lauf. Welt – ich komme! Ich merke, wie ich mich nach und nach verabschiede von allem, was mein Leben in Hamburg ausmacht. Ich lasse meinen Job los, verabschiede mich von Freunden, Kollegen, Familie, Orten. Ich mache Platz in der Wohnung für meinen Zwischenmieter und schaffe Raum in meinem Kopf und Herzen für neue Abenteuer und Erkenntnisse. Allerdings bedeutet das nicht, dass ich dieses Leben mit all seinen wundervollen Menschen und Gewohnheiten hinter mir lassen möchte. Ich möchte es für eine Weile eintauschen gegen etwas Neues und Unbekanntes, möchte meine Grenzen erfahren und hinterher wieder in die Komfortzone zurückkehren. Ich möchte in mich hineinhören und herausfinden, was mir gut tut, was ich brauche und was nur unnötiger Ballast ist in meinem Leben. Das, was ich jeden Tag auf der Yogamatte „im Kleinen“ übe endlich auch „im Großen“ versuchen. Mal sehen, ob sich auch Spinnenangst, Orientierungslosigkeit und Heimweh wegatmen lassen.

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